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Umschlag Schweizerische Rheinhäfen 2010

02.02.2010

Container-Boom und Mineralöl-Flaute ergaben leichten Umschlags-Zuwachs

Mit einem Gesamt-Umschlag von 6,52 Mio. t konnten die Schweizerischen Rheinhäfen 2010 einen leichten Zuwachs von 1,2% verbuchen. Ein regelrechter Boom erfolgte im Containerbereich, wo das zweitbeste Ergebnis in der Geschichte der Rheinhäfen registriert werden kann. Ein deutlicher Rückgang hingenommen werden musste im Bereich «Mineralöl». Dies und eine Einbusse im Segment «landwirtschaftliche Erzeugnisse» verhinderten, dass sich die generell spürbare Erholung der Güterverkehre stärker im Gesamtergebnis niederschlug.

6'518'276 t (2009: 6'443’666 t) wurden im vergangenen Jahr in den Schweizerischen Rheinhäfen gelöscht. Auf die Zufuhr entfielen 5'541'484 t (5'566’639 t), auf die Abfuhr 976'792 t (877'027 t). Das Total der ankommenden Ladungen nahm damit geringfügig ab (-0,01%), was durch die gesteigerten Exporte (+11,4%) kompensiert werden konnte.

Der reine Blick auf den Gesamtumschlag täuscht allerdings etwas. In fast allen Gütersparten ist ein deutlicher Aufschwung zu erkennen; bei den Containern resultierte sogar das zweitbeste Ergebnis in der Geschichte der Rheinhäfen. Der umfangmässig grösste Güterbereich «Erdöl, Mineralölerzeugnisse» war wiederum rückläufig und zog aufgrund seines hohen Gesamtanteils das Jahrestotal nach unten. Ebenfalls negativ entwickelte sich der Bereich «Landwirtschaftliche Erzeugnisse», währen die Gütergruppen «Nahrungs- und Futtermittelmittel», «Chemische Erzeugnisse» oder «Eisen, Stahl» zum Teil erhebliche Steigerungen erfuhren, wie die nachfolgende Einzelanalyse zeigt.

Containerverkehr
99'048 TEU wurden im Berichtsjahr über die Schweizerischen Rheinhäfen abgewickelt, was gegenüber dem Ergebnis von 2008 (78'285 TEU) einem Zuwachs um 26,5% gleichkommt. Dies entspricht dem zweitbesten je erzielten Ergebnis; das Rekordergebnis stammt aus dem Jahr 2007, als mit 104'366 TEU bislang erstmals die 100’000er-Grenze geknackt worden war.

Das Plus gegenüber dem Vorjahr ist 2010 – volle und leere Container zusammengenommen – etwas stärker auf den ankommenden Verkehr zurückzuführen, der von 35'347 TEU (2009) auf 45’347 TEU und damit um 28,3% zunahm. Im abgehenden Verkehr wurden im Berichtsjahr 53’701 TEU umgeschlagen, was gegenüber den 42'938 TEU im 2009 eine Verbesserung um 25,1% bedeutet.

Der Import hat über das gesamte Jahr gesehen stark zugelegt. Der Exportverkehr hat sich nach einem starken 3. Quartal im 4. Quartal etwas abgeschwächt. Allgemein kann festgestellt werden, dass die Dynamik im letzten Quartal 2010 etwas nachgelassen hat.

Eine Prognose für 2011 ist schwierig zu machen. Die Container-Terminals der Seehäfen melden weiter ansteigende Mengen; diese Entwicklung wird sich im Binnenschiffsverkehr, auch auf dem Rhein, auswirken. Einen Rückschlag stellt natürlich der mehrwöchige Unterbruch der Rheinschifffahrt aufgrund der Havarie vor St. Goarshausen dar. Seit dem 13. Januar liegt dort der Tanker «Waldhof»; zum Zeitpunkt dieses Berichts ist das Ende der Blockade auch für die Talfahrt wieder absehbar. Einen negativen Einfluss auf das 2011-Ergebnis könnte auch die Entwicklung des Schweizer Frankens gegenüber Euro und Dollar haben.

Auf alle Fälle wird der Containerverkehr nach sämtlichen Prognosen mittel- bis langfristig ein Wachstumsmarkt sein. Dies hängt nicht zuletzt mit den Ausbauplänen in den ARA-Häfen (Antwerpen, Rotterdam, Amsterdam) zusammen und mit dem steigenden Druck auf diese Seehäfen, den Vor- und Nachlauf mit dem ökologischen Verkehrsträger Binnenschifffahrt abzuwickeln. Aus diesem Grund haben die Schweizerischen Rheinhäfen zusammen mit SBB Cargo eine Studie lanciert, um die künftige Umschlagskapazität der Transportkette Schiff-Bahn auf dem Gelände BaselNord, anschliessend an das heutige Hafenbecken 2 in Kleinhüningen, zu evaluieren (vgl. Medienorientierung SRH/SBB Cargo vom 25. Januar 2011).

Flüssige Treib- und Brennstoffe
Nach einem zwischenzeitlichen Preistief im 2009 bei Heizöl und FahrzeugTreibstoffen und entsprechenden Kauf-Reaktionen der Kundschaft waren die hohen Füllstände dafür verantwortlich, dass 2010 im zahlenmässig grössten Gütersektor der Häfen eine negative Entwicklung brachte. Auch die tiefen Temperaturen in November und Dezember mit entsprechend hohem Heizölverbrauch vermochten die Importe von flüssigen Treib- und Brennstoffen über die Schweizerischen Rheinhäfen nicht positiv zu beeinflussen.

Auf Jahresbasis musste in diesem Bereich sogar ein Rückschlag von rund 380'000 Tonnen oder 12% hingenommen werden. Der grösste Teil der Minderimporte fällt wie schon in den vergangenen Jahren auf den Heizölsektor. Die Auswertung der Monatsstatistiken zeigt eindeutig eine Korrelation zwischen den Börsennotierungen und der Nachfrage. So fielen die Preise für eine Tonne Heizöl im Monat Mai auf rund $ 600.-- gegenüber $ 720.-- im April 2010. Diese Preisbewegung nach unten löste sofort eine verstärkte Nachfrage aus. In den Folgemonaten stiegen die Produktepreise kontinuierlich an und erreichten Ende Dezember sogar einen Höchststand von über $ 840.-- an der IPE in London. Für die Schweizer Kunden ist es wenig tröstlich, dass dank der Verbilligung des US-Dollars die Einkaufspreise nicht ganz so extrem ausgefallen sind.

Abgesehen von ganz kurzen Perioden erlaubte die Wasserführung des Rheins eine gute bis sehr gute Auslastung der Tankschiffe. Durch die zahlreichen Neubauten, welche während des Berichtsjahres in Fahrt genommen wurden, vergrösserte sich die Transportkapazität beträchtlich. Ohne zu übertreiben, muss in der Tankschifffahrt von einer strukturellen Überkapazität gesprochen werden. Es überrascht nicht, dass wegen der schwachen Nachfrage und den gestiegenen Kapazitäten der Druck auf die Frachtraten enorm zugenommen hat. Nur gerade während zweier Monate – April und Oktober – konnten kostendeckende Erlöse erzielt werden. In den übrigen Monaten lag das Frachtenniveau zwischen Fr. 12.-- bis Fr. 15.-- pro Tonne für die Relation Rotterdam-Basel.

Landwirtschaftliche Erzeugnisse / Nahrungs- und Futtermittel
Der Bereich landwirtschaftliche Erzeugnisse ist einer der wenigen, der gegenüber 2009 einen Mengenrückgang hinnehmen musste. Daran konnte auch der starke Dezember mit einem Monatstotal von knapp 28'000 t nichts mehr ändern. Verglichen zum Vorjahr sank die Gesamtmenge um fast 12% bei der – zahlenmässig bedeutenderen – Zufuhr auf 248'843 t. Der nicht gross ins Gewicht fallende Abgangsverkehr in diesem Güterbereich sank um 6,7% auf 6'359 t.

Im Gegensatz zu den Mengen bei den landwirtschaftlichen Erzeugnissen konnte ein starker Dezember im Bereich «Nahrungs- und Futtermittel» noch eine Wende ins Positive bewirken. Nach drei Quartalen noch im Minus, liegt das Total nun sowohl bei den ankommenden Verkehren (382'807 t) mit +3,0% wie auch bei den Abfuhren (142'789 t) mit 19,2% im Plus.

Nimmt man die beiden zusammenhängenden Gütergruppen als Total, so ist im Berichtsjahr mit 780'000 t gegenüber 2009 (765'000 t) ein leichter Anstieg um gut 2% festzustellen. Dabei ist allerdings anzumerken, dass 2009 in diesem Bereich ein schlechtes Jahr gewesen war.

Feste mineralische Brennstoffe
Das vierte Quartal verzeichnete keine Mengensteigerung mehr, so dass die Einfuhr von festen Brennstoffen mit 132'642 t für das Jahr 2010 gut 25% unter dem Vorjahresergebnis verblieb. Ursache dafür ist hauptsächlich der Abbau der rekordhohen Lagerbestände Anfang des Berichtjahres.

Die Importeure erwarten höhere Importe für 2011. Einen wesentlichen Einfluss wird die Preisentwicklung bei den Rohstoffen spielen. Sollten die Preise weiter steigen, wird vermehrt Alternativbrennstoff zum Tragen kommen. Schliesslich ist auch die Baukonjunktur entscheidend, da der Grossteil der Importe für die schweizerischen Zementwerke bestimmt ist.

Eisen und Stahl
Die im Jahre 2010 um 57% gestiegenen Importe lassen auf eine Erholung der Stahlindustrie und damit der Nachfrage für Stahlprodukte schliessen. Gesamthaft sind 624'017 t importiert oder über die Schweiz im Transit nach Norditalien weitertransportiert worden. Diese Menge bewegt sich wieder gegen den Durchschnitt der Zahlen vor der Krise. Der Export der schweizerischen Stahlwerke über die Schweizerischen Rheinhäfen blieb mit 76'788 t praktisch konstant.

Infolge der global tiefen Lagerbestände und der Preiserhöhungen beim Stahl darf 2011 wieder mit steigenden Mengen gerechnet werden. Der Aufschwung könnte aber durch den starken Schweizer Franken behindert werden.

Zellstoff und Chemische Produkte
Nach konstanten Steigerungen der Quartalsmengen beim Import von Zellstoff und chemischen Produkten kann mit einer Gesamtmenge per Ende Jahr von 566'055 t ein Rekord verzeichnet werden (+66’241 t bzw. +13%). Dies trotz hohen Rohstoffpreisen und einer sich für die schweizerischen Papierfabriken ständig verschlechternden Währungslage. 

Medienmitteilung