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Ein Drittel mehr Güter dank Brennstoffen

08.05.2012

Umschlag Schweizerische Rheinhäfen im 1. Quartal 2012

Das Gesamt-Umschlagsergebnis der Schweizerischen Rheinhäfen per Ende März 2012 liegt im Vergleich zur entsprechenden Vorjahresperiode um 34% höher. Dies ist in allererster Linie auf die massiv gestiegenen Importe bei den flüssigen Brennstoffen zurückzuführen. Die Probleme der inländischen Raffinerien und der harte Winter sind die Gründe dafür. Allerdings ist ein Vergleich mit dem ersten Quartal 2011 nur bedingt aussagekräftig, da in diese Zeit der Rhein wegen einer Havarie rund vier Wochen ganz oder teilweise gesperrt war.

1'833’365 t wurden im ersten Quartal 2012 umgeschlagen, 1'368'601 t waren es in der Vergleichszeit des Vorjahres gewesen. Der Zuwachs um 33,96% muss aber relativiert werden, da die Schifffahrt praktisch im gesamten ersten Quartal 2011 mit starken Hindernissen zu kämpfen hatte. Nach einer kurzen Hochwasserperiode zu Jahresbeginn hatte die Havarie des „TMS Waldhof“ vor der Loreley praktisch für einen Stillstand auf dem Rhein gesorgt. Und ab Anfang März hatte der Rhein zu wenig Wasser geführt, um die maximalen Lademengen der Schiffe auszunutzen.

Der Import- oder Bergverkehr – mit 1'603’308 t (Jan.-März 2011: 1'143'111 t) der wichtigere der beiden Sektoren – nahm gegenüber dem ersten Quartal des Vorjahres um 40,22% zu. Der Export- oder Talverkehr stieg mit 230’057 t (225'490 t) um lediglich 2,03% an. Dies zeigt, dass die wirtschaftlichen Probleme – Stichwort: europäische Schuldenkrise und starker Franken gegenüber Euro und US-Dollar – noch keineswegs vorüber sind.

Containerverkehr
Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nahm der Containerverkehr um 10,7% auf gesamthaft 24’207 TEU (1. Quartal 2010: 21'543 TEU) zu. Betrachtet man die einzelnen Monate, so ist das bereits erwähnte Ereignis „Havarie“ stark ergebnisrelevant. Gegenüber dem Vorjahresmonat ist im Januar 2012 eine Steigerung um 43,3%, festzustellen, im Februar von 17,1% und im März eine Verringerung um 10,8%. Die Container, welche im Januar 2011 nicht auf dem Rhein befördert werden konnten, wurden in vielen Fällen nicht auf andere Verkehrsträger umgelagert, sondern bleiben in den Häfen liegen. Dies hatte im Februar und März 2011 zu „Nachholverkehren“ geführt – und entsprechend liegen die diesjährigen Zahlen im Februar und März trotz besserer Bedingungen nicht oder nur wenig über den Resultaten der entsprechenden Vorjahreszeit. Ausserdem war der März 2011 im Containerbereich ein ausgesprochen starker Monat gewesen, während März 2012 eher den Normalfall darstellte.

Sehr unterschiedlich entwickelten sich Export- und Importmengen im ContainerBereich. Die Import-Verkehre nahmen im ersten Quartal 2012 um gut 11% auf 10'629 TEU zu. Nimmt man nur die vollen Container (8'243 TEU), so beträgt das Wachstum sogar 17%. Nimmt man nur die leeren Container, so blieb das Ergebnis mit 3'594 TEU (3'579 TEU) praktisch konstant.
Entgegengesetzt entwickelten sich die Export-Verkehre. Das Total von 12'378 (2011: 10'911 TEU) stellt zwar noch eine Steigerung gegenüber dem entsprechenden Vorjahres-Quartal um 13% dar. Nimmt man aber nur die beladenen Behälter (6'233 TEU), so resultiert ein Minus von 7% Dies zeigt, dass die Schweizer Exporte immer noch unter den Währungsverhältnissen und der schwachen wirtschaftlichen Situation in vielen Exportländern leiden. Dass im abgehenden Verkehr trotzdem ein Plus resultierte, liegt an der Menge der abgeführten Leercontainer, die mit 6'137 TEU (2011: 4'198 TEU) um bemerkenswerte 46% anstieg. Dies ist damit zu begründen, dass die grossen See-Reedereien im Fernost-Verkehr hohen Container-Bedarf anmeldeten und die Behälter aus den Binnenhäfen Richtung Seehäfen verschoben.

Flüssige Treib- und Brennstoffe
Im ersten Quartal 2012 sind 944'000 t flüssige Treib- und Brennstoffe über die Schweizerischen Rheinhäfen importiert worden. Gegenüber den knapp 510'000 t in der Vergleichszeit des Vorjahres entspricht dies einer Steigerung um 86%. Gleichzeitig sanken die Abfuhren um 94%, fallen allerdings mit gut 3'000 t im 1. Quartal 2012 mengenmässig nicht sonderlich ins Gewicht.

Sowohl die massive Steigerung im Import- wie die ebenso starke Verringerung im Exportverkehr ist auf die Situation bei den inländischen Raffinerien zurückzuführen. Über diese wurde bislang etwa ein Drittel der Schweizer Landesversorgung mit Mineralölprodukten sichergestellt. Die Raffinerie im neuenburgischen Cressier war wegen finanzieller Schwierigkeiten der Betreiberfirma seit Januar 2012 geschlossen. Dazu kam ein temporärer Shut-down der Raffinerie in Collombey (VS) während zehn Tagen im März. Dadurch kamen entsprechende Zusatzmengen in die Schweizerischen Rheinhäfen. Da über diese auch das bei der Raffinierung anfallende und in der Schweiz kaum verwendete Schweröl abgeführt wird, sanken entsprechend auch die Exportmengen.

Weiter ist bei der Entwicklung in diesem Sektor zu beachten, dass die Wintermonate 2012 ausserordentlich kalt waren. Entsprechend stieg die Nachfrage nach Heizöl im Februar und März beträchtlich an. Die Rheinschifffahrt konnte auch diese Zusatzmengen ohne Probleme absorbieren. Trotz zeitweisem Stillstand beider Raffinerien und grossem Nachfragedruck entstand zu keinem Zeitpunkt eine Angebotslücke oder ein Engpass in der Landesversorgung. Die für Notfälle zur Verfügung stehenden Pflichtlager mussten nie angetastet werden. Dies ist auch nicht weiter erstaunlich. In den Rheinhäfen wurden früher wesentlich grössere Mengen an Mineralölprodukten umgeschlagen. Sparsamere Autos und Lkws, zunehmend aufkommende Fahrzeuge mit Elektro- oder Gas-Antrieb sowie der ebenfalls immer häufigere Wechsel von Ölheizungen auf alternative Heizformen liessen die mportmengen langsam aber stetig sinken. Die jetzigen Zusatzmengen stellen nun eine Teilkompensation früherer Verluste dar.

Prognosen über die Entwicklung des Mineralölsektors in den kommenden Monaten sind nicht einfach zu machen. So bleibt abzuwarten, was mit der Raffinerie in Cressier unter neuer Betreiberschaft geschieht und wie es mit der zum libyschen Tamoil-Konzern gehörenden Anlage in Collombey weitergeht. Die Rheinschifffahrt ist auf alle Fälle gerüstet, auch weiterhin grössere Mengen im Dienst der Landesversorgung zu übernehmen.

Feste mineralische Brennstoffe
Die Einfuhr von festen Brennstoffen belief sich im ersten Quartal 2012 auf 32‘212 t und lag somit um mehr als Doppelte über dem Ergebnis der Vorjahresperiode, welches allerdings mit nur 15‘335 t einen fast historischen Tiefstand dargestellt hatte. Es ist ungewiss, ob dieser Aufwärtstrend konstant bleibt. Zum einen spielte hier natürlich auch die kalte Winterzeit eine Rolle. Viel hängt aber auch davon ab, ob die schweizerischen Zementwerke alternative Brennstoffe wie Abfälle zur Energiegewinnung einsetzen können oder weiterhin auf Kohle setzen.

Eisen und Stahl
Beim Import in die Schweiz und beim Transitverkehr nach Italien liegen die Mengen mit 108‘190 t zwar um 9,6% unter dem 1. Quartal des Vorjahres, jedoch ziemlich genau auf dem durchschnittlichen Stand der Vorjahre. Mit einem leichten Anstieg der Import- und Transitmengen darf in den nächsten sechs Monaten gerechnet werden.

Landwirtschaftliche Erzeugnisse / Nahrungs- und Futtermittel
Aufgrund tiefer Zollansätze bis Ende März 2011 war die Zufuhr bei den landwirtschaftlichen Erzeugnissen im ersten Quartal 2011 sehr hoch gewesen. Das erste Quartal 2012 konnte hier nicht mithalten, da diese Zollanreize bis jetzt ausgeblieben sind. Ein Vergleich 2012/2011 ist deshalb in diesem Bereich nicht nur wegen der erwähnten Havarie-bedingten Rheinsperre im Januar 2011 nicht sehr aussagekräftig. Die Mengen haben sich im ersten Quartal 2012 in etwa auf das Niveau von 2010 eingependelt, was zwar einem Rückgang zur Vorjahrsperiode von rund 60% resp. 83‘000 t entspricht, aber trotzdem darauf schliessen lässt, dass 2012 ein „normales“ Jahr werden wird.

Bei den Nahrungs- und Futtermitteln konnte im ersten Quartal 2012 mit rund 132‘000 t praktisch die gleiche Menge umgeschlagen werden wie in der Vergleichsperiode 2011.

Zellstoff und Chemische Produkte
Die Fabrikschliessungen und Auftragsrückgänge bei der schweizerischen Papierindustrie schlagen sich weiterhin negativ beim Import von Zellstoffen nieder. Im ersten Quartal betrug der Import nur noch 62‘343 t. Dies entspricht einem Minus von 43,5% gegenüber dem ersten Quartal 2011, bzw. 33% gegenüber den durchschnittlichen Vorjahresergebnissen.

Medienmitteilung